Martina Wagner-Egelhaaf (Hg.)

Hermanns Schlachten

Zur Literaturgeschichte eines nationalen Mythos

Veröffentlichungen der Literaturkommission für Westfalen Band 32


2009, ISBN 978-3-89528-714-5,
347 Seiten, 6 Abb., kart. EUR 34,80
 



E-Book: EUR 24,80 bei Paper'C

Der Band beleuchtet den Mythos von Hermann, dem Cherusker, und der Varusschlacht, der im Jahr 2009 auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblickt, aus literatur- und kulturwissenschaftlicher Perspektive. Unterschiedliche literarische Versionen der Schlacht und ihrer Akteure stehen zur Diskussion und werden nach ihrer Sicht auf die Ereignisse und nach ihrem Beitrag zur Konstitution des Nationalen befragt.

Welche Heldenbilder werden entworfen, welche Schauplätze konstruiert, welche Medien genutzt und welche Politiken verfolgt, um in der Schlacht um die Deutungen des Mythos erfolgreich zu sein?

Inhalt:

  • Martina Wagner-Egelhaaf: Einleitung. 2000 Jahre Hermann

  • Gesa von Essen: „Aber rathen Sie nur nicht den Arminius. Dieser ist mir zu sauvage“: Hermannsschlachten des 18. Jahrhunderts und die Debatte um ein deutsches Nationalepos


  • Helden-Figuren. Helden-Geschlechter

  • Winfried Woesler: Das Römerbild in deutschen Hermann-Dramen

  • Hendrik Blumentrath: Politische Meteorologie. Zu Kleists und Grabbes Hermanns-Dramen

  • Caren Heuer: „Du Furie, gräßlicher als Worte sagen!“ Thusnelda und die Nation in Hermannsschlacht-Dramen

  • Kai Brodersen: „Als die Römer frech geworden“: Historische Kontexte eines ,Volkslieds‘


  • Schlacht-Orte. Topographien

  • Volker Honemann: Die Varusschlacht aus der Sicht eines westfälischen Humanisten: Des Johannes Cincinnius „Van der niderlage drijer Legionen“ (1539)

  • Thomas Borgstedt: Nationaler Roman als universale Topik: Die Hermannsschlacht Daniel Caspers von Lohenstein

  • Claudia Röser: Schlachtfelder. Zur Suche nach dem Ort der Hermannsschlacht und Klopstocks Hermann’s Schlacht


  • Schlacht-Zeichen. Orakel und Medien

  • Martina Wagner-Egelhaaf: Klopstock! Oder: Medien des nationalen Imaginären. Zu den Hermann-Bardieten

  • Raimar Zons: Deutsche Assassinen. Kleists Hermannsschlacht

  • Iris Hermann: Theater ist schöner als Krieg. Kleists Hermannsschlacht auf der Bühne

  • Wolfgang Braungart: „Guten Abend, liebe Männchen.“ Grabbes Hermannsschlacht


  • Schlacht-Felder. Politik

  • Christian Schmitt: Hermannspathos oder: Wie man ‚Deutschland‘ erweckt. Zur rhetorischen Konstruktion der Nation um 1813/18

  • Robert Suter: Kleists Hetztheater: Eine Genealogie der Bärin

  • Hinrich C. Seeba: Woher kommt der Hass? Zur Rechtfertigung der Gewalt von Kleist bis Himmler


  • Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes

Martina Wagner-Egelhaaf, Professorin für neuere deutsche Literaturwissenschaft/Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft an der Universität Münster; Vorsitzende der Literaturkommission für Westfalen; Principal Investigator im Exzellenzcluster 212 „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“. Studium Germanistik/Geschichte in Tübingen und London. Dissertation Tübingen 1987: Mystik der Moderne. Die visionäre Ästhetik der deutschen Literatur im 20. Jahrhundert. Stuttgart: Metzler, 1989. Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Konstanz; Habilitation Konstanz 1994: Die Melancholie der Literatur. Diskursgeschichte und Textfiguration. Stuttgart/Weimar: Metzler, 1997. 1995-1998 Professorin für Neugermanistik unter besonderer Berücksichtigung der Literaturtheorie und der Rhetorik an der Ruhr-Universität Bochum. Weitere Publikationen: Autobiographie. Stuttgart/Weimar: Metzler, 2. Aufl. 2005; Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft. Ein Arbeitsbuch. Berlin: Erich Schmidt, 7. Aufl. 2006 (zus. m. Jürgen H. Petersen); Mitsprache, Rederecht, Stimmgewalt. Genderkritische Strategien und Transformationen der Rhetorik. Hg. zus. m. Doerte Bischoff. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2006; zahlreiche Aufsätze zur deutschen Literatur vom 18. bis 20. Jahrhundert und zu literatursystematischen Fragestellungen.


Aus der Kritik:


Was der Band an Erkenntnissen über den Mythos vorstellt, ist weit spannender als die Suche nach dem wahren Ort der Schlacht.
sels in „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 09.02.2009

[...] Nun kann eine Tagung selbstverständlich nicht alles leisten – aber sie kann, und das hat diese Tagung durchaus erreicht – die Forschung auf den neuesten Stand bringen und ihr eine mögliche neue Richtung geben. [...]
Clarissa Höschel in „literaturkritk.de“ (20.08.09)
Die vollständige Rezension: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=13377

[…] die detaillierten Analysen und profunden Lektüren machen diesen Band zu einem zeitgemäßen Beitrag zur deutschen Nationalmyhologie und zu einer willkommenen Ergänzung der übergreifenden Studie von Herfried Münkler.
Patrick Fortmann (University of Illinois at Chicago) in „German Studies Review“ 33/3 (2010)

[...] Insgesamt betrachtet gelingt es den meisten Beiträgen dieser Aufsatzsammlung, trotz der Vielzahl der bereits vorliegenden Materialien zum Hermann-Stoff, neue Kontexte aufzuzeigen, bislang wenig beachtete Primärtexte ins Gespräch zu bringen und neue Schlaglichter auf die historischen Problemlagen der deutschen Nation und ihrer Repräsentation zu werfen.
Iulia-Karin Patrut in „Monatshefte“ (No. 4, 2010)

Eine klare Stärke dieses Bandes ist es, dass die literarischen Quellen jeweils von mehreren Autorinnen und Autoren untersucht werden und so dem Leser viele neue Facertten, ungewöhnliche Sichtweisen und eine Vielzahl von Deutungsmöglichkeiten geboten werden.
Katinka Netzer in „Westfälische Forschungen“ 61/2011